Goju-Ryu Karate

Das Goju-Ryu Karate

Nachdem Großmeister Miyagi ihn auf seinen Weg geschickt hatte, verspürte Gogen Yamaguchi den Wunsch, auch im Geist so zu werden wie sein Lehrer, dessen Haupteigenschaft die völlige Ausgeglichenheit war. So fing Yamaguchi an, auf dem Berg Kurama zu trainieren, wobei er sich alles abverlangte. er stellte sich unter Wasserfälle, wo der Druck so groß war, dass er beim geringsten Nachlassen der Konzentration unter ihnen begraben worden wäre. In vielfachen Übungen der Kata „Sanchin“ versuchte er, mit Atemübungen Körper und Geist zu vereinen. Manchmal glaubte er, nicht durchhalten zu können, und er war nahe daran, den Berg zu verlassen und in die Stadt zu gehen. Deshalb rasierte er sich die Augenbrauen ab, denn so entstellt konnte er sich nicht unter Menschen sehen lassen.

Im 2. Weltkrieg

Während des Krieges in Japan in der Mandschurei, an dem Yamaguchi aktiv teilnahm, geriet er in Gefangenschaft und blieb dort einige Jahre. Unter Todesandrohungen wollte man geheime Informationen aus ihm rausbekommen. Gogen aber sagte: „Weil ich die Informationen, die ihr haben wollt, nicht kenne, kann ich trotz der Todesandrohung nicht antworten. Samurai lügen niemals. Wenn ihr mir nicht glaubt, so erschießt mich – ich bin bereit.“ Er schloß die Augen und wartete. Vor seinem geistigen Auge tauchte der Berg Kurama auf. Mit verschlossenen Augen saß er einfach nur da, wie er oftmals auch auf dem Berg gesessen und meditiert hatte. Völlig in sich selbst ruhend „atmete er den Berg“ und wurde dabei selbst einer. Plötzlich tippte ihm sein Befrager auf die Schulter und sagte: „Herr Yamaguchi, Ihre Verhaltensweise war großartig. Sie sind ein wahrer Samurai! Als er 1939 wieder zurück in Japan war, wurde er von der japanischen Regierung erneut in die Mandschurei geschickt. Den 2. Weltkrieg erlebte Yamaguchi als Soldat der Kwangtung-Armee an der Grenze der Mandschurei zur Sowjetunion. Er geriet 1945 in die Gefangenschaft der Roten Armee. Das russische Arbeitslager war hart und manche Tage wurden zur Ewigkeit. Doch im November des Jahres 1947, konnte er zurück in die Heimat nach Japan.
Nach seiner Rückkehr widmete sich Yamaguchi sehr intensiv dem Studium des Shinto, des Zen und des Yoga, die von da an von seinen Karateübungen nicht mehr wegzudenken waren. Nach dem 2. Weltkrieg organisierte er seinen Verband neu und nannte ihn Karate-Do Goju-kai. Im Jahre 1950, als die Zentralschule des Goju-kai nach Tokio verlegt wurde, steigerte sich die Popularität dieses Stils gewaltig. Mittlerweile gibt es Goju-Ryu-Organisationen weltweit.

Noch mit über 80 Jahren stand Yamaguchi Gogen, was die Tradition betraf, wie ein Fels in der Brandung. Er starb am 20. Mai 1989 im Alter von 81 Jahren in Japan.
Sensei Yamaguchi hatte drei Söhne Gosei, Gosen und Goshi und zwei Töchter Gyokku und Wakako, welche ebenfalls Karateunterricht bekamen und heute alle Karateka von hohem Niveau sind. Goshi, der jüngste der drei Söhne, steht heute der von seinem Vater gegründeten Organisation vor und leitet das Honbu-Dojo. Gosei 8.Dan ist heute Chefausbilder der selben Organisation in den USA.

Gogen Yamaguchi stellte sein Leben in den Dienst des Karate. Um seinen Körper bzw. seinen Geist zu vervollständigen ging er sogar Jahrelang auf einen Berg trainieren. Er übte sich in Zen und Meditation. Später als er in Gefangenschaft war verhielt er sich wie ein wahrer Samurai. Er nahm lieber den Tod in kauf bevor er log.